Roland Zolliker

Seit 1971 bin ich Karateka mit ungebrochener Leidenschaft. 1975 gründete ich Bushido Baden. Damals „Aargau’s Erste Karateschule“, heute die älteste Wado-Ryu Schule der Schweiz. Begonnen zu unterrichten hatte ich 1974 in der Karateschule Kenji-Kan Kioto (Gerold Wildhaber, Foto) in Zürich und im Jugendhaus Wettingen. Von 1978-1983 leitete ich zusätzlich das Training des Karate-Club Bushido Brugg in der Turnhalle Schützenmatt. Dieses Dojo übernahm ab 1983 mein erster Danträger, Daniel Humbel, gab ihm den Namen Karate Do Brugg und baute es zu einer Top Karateschule der Schweiz aus. Elena Quirici, die 3-fache Elite-Europameisterin, und viele andere Weltklasseathletinnen sind Zeugnis dafür. Heute zeichnet Daniel Humbel als Chef Leistungssport für alle Nationalkader der Swiss Karate Federation verantwortlich.

Ab 1977 engagierte ich mich auf nationaler Ebene mit der Ausrichtung eines Turniers in Baden. Die sportliche Karriere war kurz (1979-82), intensiv (damals startete man in allen vier Kategorien Kata/Kumite Einzel und Team) und brachte im Verband S(W)KO drei Schweizermeister/Vize-Meistertitel, ein Schweizer Cupsieg sowie sechs Schweizermeister-Titel in der Klubwertung. Gute Erfahrung für meine Wettkampftrainertätigkeit waren die bestrittenen Kämpfe am Fujimura-Cup sowie den Cups von Biel, Lausanne, Schlieren und Zürich.

Seit 1988, mit der Wahl zum Zentralpräsidenten, bin ich auf internationaler Ebene (Delegationsleiter Welt- und Europameisterschaften) aktiv, wo ich bis heute für die Swiss Karate Federation und die World Karate Federation WKF tätig bin. Meine „sportlich-journalistische“ Laufbahn startete ich bereits 1976 als Redaktor der damaligen Karate-Do Zeitschrift. Weitere Stationen waren die Regionalzeitungen Badener Tagblatt und Aargauer Volksblatt, die Deutsche Karate Revue, die Fachzeitung SPORT und die Swiss Budo Revue. Seit Mitte der 90-iger Jahre folgen die Publikationen fast ausschliesslich auf Websites und in Editorials von Schweizermeisterschaften und Swiss Karate League Turnieren. So konnten und können die vielen Erfolge von Bushido Baden gewürdigt und festgehalten werden. Die Jahre seit 1971 bis Mitte der 90iger Jahre sind im Dojo auf grossen Bildtafeln verewigt.

Heute, 42 Jahre später, sind es weit über 1000 Essays, Editorials, Ansprachen, Newsflash, Homepage-Eintragungen und vor allem als Essenz die Artikel über die Geschichte des Karate, der Swiss Karate Federation seit 1950. Es sind immer Geschichten über Menschen, über ihr Wirken im Leistungssport- und Breitensport, Aufsätze über Werte, Geisteshaltungen und Innovationen. Immer mit dem Ziel, das Karate gesamthaft in seinen gesellschaftlichen, sportlichen und ethischen Facetten zu reflektieren.

Beruflich war ich mit der „schreibenden Zunft“ viele Jahre tagtäglich befasst. Zuerst als Kundenberater, dann als Product-Manager für die Lokalzeitung Der Limmattaler, später als Verkaufs- und Geschäftsleiter der ofa Orell Füssli Werbe AG in Dietikon und zuletzt als Bereichsleiter bei ofa Zeitschriften und Vizedirektor Fachpublikationen der Publicitas-Gruppe mit nationalen/regionalen Zeitungen, Zeitschriften und Fachpublikationen. Eine intensiv-spannende Zeit der Koordination mit Herausgebern, Redaktionen, Fachverbänden, Marketing- und Verkaufsbeauftragten, Nationalen Fachmessen und Druckereien.

Zentral liegt mir die Ausbildung der Karatekas am Herzen. 1987 konnte ich die erste gesamtschweizerische Trainerausbildung mit Prof. Dr. Arturo Hotz (1944-2014) und Jost Hegner (Dozent Universität Bern) verwirklichen.  Mit Anerkennung des Karate 1995 als Sportfach J+S wurde der Grundstein für die nationale Anerkennung gelegt. Mit der ersten Berufsprüfung zum Karatelehrer mit eidg. Fachausweis 2012 und dem eidg. Diplom Sportartenschulleiter 2016 ging eine Aufbauperiode von 30 Jahren zu Ende. 1984 hatte ich dem damaligen Direktor der Eidg. Sportschule Magglingen, Dr. Kaspar Wolf, die erste Anfrage zur Anerkennung des Karate zugestellt. 

In der Ausbildung ist es mir wichtig, selbst aktiv als Ausbilder tätig zu sein. Dies ermöglichte mir mein Lehrer Gerold Wildhaber (†1976) schon frühDer Kontakt zur Basis ist für mich unverzichtbar. Dort wo das Karate in der Praxis lebt. So unterrichte ich seit über 40 Jahre Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Karateschule Bushido Baden. Weiterbildung, neue Einsichten, Austausch mit anderen Sportarten ist mir wichtig. So absolviere ich regelmässig die Experten-Module im J+S Jugend- und im esa-Erwachsenensport. 2012 besuchte ich die Kid’s Ausbildung und engagiere mich heute im Karatetraining der Jüngsten ab 5 Jahre. Mitte der 7oiger Jahre unterrichtete ich hauptsächlich im Dojo Kenji-Kan-Kioto Zürich (1974-76), im Jugendhaus Wettingen (1974/75), in der Karateabteilung der Judoschule Ippon Winterthur von Armin Büchel (Olympiateilnehmer Judo 1972 in München) sowie einige Trainings im Karate-Club Hoong Koon Zürich (Mike Wong). 5 Jahre (1978-1982) Kurse in den Migros Klubschulen Baden-Brugg-Spreitenbach.

Neben dem J+S engagierte ich mich von 1987-2014 als Sportfachbetreuer und Experte an den Berufsprüfungen Leistungssporttrainer Swiss Olympic mit eidg. Fachausweis. Seit 2012 an der Berufsprüfung Karatelehrer mit eidg. Fachausweis (SBFI ) und der Höheren Fachprüfung Sportartenlehrer mit eidg. Diplom.

Als Karateka der „ersten Stunden“ wurde ich eine Zeit geboren, als es in deutscher Sprache nur zwei Lehrbücher von Albrecht Pflüger gab, der damalige Schweizerische Karate-Verband (1971) gerade mal ein Jahr alt war. Wenig Strukturen, wenig Ordnung, ein Wirrwarr von nationalen Verbänden und Stilrichtungen. Durch Gründung des 2. Dachverbandes 1979, insbesondere aber die Anerkennung der SKF 1986 durch den Schweizerischen Landesverband für Sport, heute Swiss Olympic, war der erste Schritt zur gesellschaftlichen Anerkennung vollzogen. So konnten nun auch Karatekas von Bushido Baden an offiziell anerkannten Schweizermeisterschaften starten und Titel und Medaillen gewinnen.

Mit der Anerkennung des Weltverbandes World Karate Federation WKF erstmals 1985, dann definitiv 1999 durch das Internationale Olympische Komitee, war ein weiterer wichtiger Schritt getan und führte das Karate in die Reihe der etablierten Sportarten. Die am 3. August 2016 erfolgte Aufnahme in das Programm der Olympischen Spiele 2020 in Tokio ist das internationale Sport-Highlight meiner Karate-Karriere, auch wenn der olympische Traum vorerst nur 4 Jahre dauerte. Unser Beitrag für Tokyo 2020 war die herausragende Organisation von vier Europameisterschaften 1978, 1986, 2011 (anwesend Bundesrat und Sportminister Ueli Maurer) und 2015 sowie die Erarbeitung eines guten Images bei Swiss Olympic.

All dies war nur möglich dank grossartigen Netzwerken, herausragenden und fachlich kompetenten Persönlichkeiten von denen, bis heute, einige ihre Laufbahn im Dojo Bushido Baden begannen. Nur mit begeisterungsfähigen, motivierten und ausdauernden Teams können Meilensteine erreicht, Visionen verwirklicht werden. So ist Bushido Baden eng mit dem Dojo Karateschule Sursee (unter der Leitung von Piero Lüthold, WKF Referee und Präsident der Nationalen Schiedsrichterkommission) durch gemeinsame Aktivitäten verbunden. Seit 2006 managt Alija Idriz, Chef-Trainer Bushido Baden, die beiden Tage des Swiss Karate League Turniers in Sursee. 

Wichtig in einer Biografie sind vor allem diejenigen Persönlichkeiten, hier Weg-Lehrer, die für das eigene Werden und Wachsen massgebend waren: Gerold Wildhaber, Zürich, 3. Dan († 13.01.1976, Foto 1), Bertrand Freymond, Zürich/Lausanne, 2. Dan (heute 5. Dan) Mitsuhiro Kondo, Genf, 5. Dan (8. Dan), Hiroshi Nakajima, Genf, 2. Dan (8. Dan), Eiji Kaji, Spanien, 4. Dan (9. Dan) Dominique Valera, Lyon, 6. Dan (9. Dan), Teruo Kono, 8. Dan, Hamburg, (†2000, Foto 2) und Dr. Hideho Takagi († 2018 Foto), Tokio, 8. Dan.

Sportliche Ausbildungen:

Weitergehende Biografie unter:

www.karate.ch