Karatedo ist die Kunst des Fechtens mit der leeren „unbewaffneten“ Hand (Kara = leer, nackt, unbewaffnet; te = Hand; do = Weg, Grundsatz, Pfad, Lehre, Methode, philosophisches Prinzip. Es ist eine Kunst durch die man sich ohne Waffen wehren kann. Im philosophisch-mentalen Sinn entleert sich der Karateka von allem was seinem Weg entgegensteht. Physisch ist Karatedo ein ausgezeichnetes System zur Erlangung von überdurchschnittlicher Fitness und Körperbeherrschung. Es eignet sich bestens, dem täglichen Stress (Mails, Facebook, WhatsApp) entgegenzuwirken. Ein regelmässiges Training fördert die Gesundheit, die Geschmeidigkeit des Körpers und führt zu aktiv-positivem Denken. Hände, Füsse, Knie und Ellbogen entwickeln sich zu gefährlichen Waffen, mit denen man sich und andere in Notsituationen wirksam verteidigen kann.

Die inneren Werte lassen sich nur durch jahrelanges Training erfahren. Jeder gewinnt aus Karatedo genau so viel, wie er an Zeit des Nachdenkens  und für das körperliche Training aufwendet.

Essenzen

Hara. Das Zentrum.

Hara ist die Mitte des Menschen, der Sitz der äußeren und inneren Kraft. Der richtige Einsatz von Hara ist das Ergebnis jahrelanger Übung und wird sichtbar in einer körperlichen und geistigen Haltung des Gleichgewichts und der Reife. Diese Haltung als Ausdruck der seelischen Grundbeschaffenheit des Menschen bestimmt den Zugang zur Welt und ermöglicht eine über die Sinne hinausgehende Wahrnehmung des Lebens. Vollkommener Hara bedeutet Einswerden des Menschen mit seinem Wesen und Teilhabe am Sein der Welt. 

Do. Der Weg.

Do steht für Entwicklung, Streben, Wachsen, Bewahrung und Veränderung, Bewußtheit, Erkenntnis, das Anpassungsfähige, das Lebendige. Altes wird überdacht, es gibt keinen Stillstand. Do bedeutet eine lebenslange Auseinandersetzung mit sich selbst, das Streben nach Entwicklung des jedem Menschen innewohnenden Potentials. 

 

Kime. Die Entscheidung.

Kime ist die vollkommene Entscheidung zu einer Handlung, die in der Verwendung der inneren Energie (Ki) in der äußeren Bewegung sichtbar wird. Körperliche und geistige Kraft wirken zusammen und sind auf einen Punkt fokussiert. Erst durch Kime erzielt der Mensch seine maximal mögliche Wirksamkeit, die es ihm erlaubt, die Herausforderungen des Lebens zu meistern. 

 

Kamae. Die Bereitschaft.

Kamae ist eine innerliche und äußerliche Haltung der Bereitschaft. Geist und Körper sind offen und bereit für schnelles Agieren und Reagieren. Bereit und offen zu Aktion und Reaktion.

 

 

Rei. Der Gruß.

Die Verbeugung im Karate-do ist Ausdruck von Höflichkeit, Respekt und Dankbarkeit. „Ohne Höflichkeit geht der Wert des Karate-Do verloren“ (Gichin Funakoshi). Im Rei wird die Verbindung der Übenden zueinander und zur Tradition der Kampfkunst gepflegt. Die Übenden begegnen sich mit Respekt, Achtsamkeit und Dankbarkeit. Das Individuum wird zu einem Teil des Ganzen, es stellt sich in Beziehung zu den Mitmenschen und zum Universum. 

Im sportlichen Wettkampf ist die Achtung des Gegners oder der Gegnerin und ein höflicher Umgang miteinander das sichtbare Zeichen der Verbindung zwischen den Menschen. Die Gegnerin oder der Gegner, im sportlichen Wettstreit das Beste gebend, ermöglicht es, die eigenen Grenzen auszuloten und sie zu transzendieren. Die Verbeugung vor und nach dem Kampf ist somit vor allem auch Ausdruck der Dankbarkeit. Die sportliche Leistung, die in der Ermittlung und Ehrung der Siegerinnen und Sieger in den einzelnen Kategorien gipfelt, erfüllt auf diese Weise eine wichtige Funktion in der Gesellschaft.

Karate ni sente nashi

Es gibt keinen ersten Angriff im Karate“. Dieser Leitsatz ist der wichtigste in der Karate-Philosophie. Er stammt aus dem japanischen Bushido, wo er besagt, dass ein Kampfkunstausübender in jeder Situation einen beherrschten Geist bewahren muss. Durch diese Regel wird der Übende an die Bedeutung des ruhigen und kontrollierten Geistes erinnert, durch den sich in den Kampfkünsten der reife Meister vom Anfänger unterscheidet. Zu dieser Einstellung gehört ein höfliches und zuvorkommendes Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen und Achtung vor seinen Lehrern. Das korrekte Verhalten im Dojo ist Ausdruck dieses Vorsatzes.

Shingi ichinyo

Dieser Ausdruck bedeutet, dass der Geist durch Training von Techniken geschult werden muss und umgekehrt die Technik durch das Training des Geistes vervollkommnet wird. Dies ist eine der Regeln des Karate, und es ist wohl die wichtigste.

Der Übende muss sich dem Training von Techniken genau so intensiv widmen wie der Schulung des Geistes. Er beginnt mit dem Training von Techniken, aber um zur Gesamtheit vorzustossen, müssen Technik (gi) und Geist (shin) zusammen wirken (ichinyo); denn sie sind nichts anderes als die beiden Seiten derselben Medaille.

Shuhari

Der wirkliche Fortschritt eines Übenden wird in diesem Wort ausgedrückt. Er vollzieht sich in drei Stufen:

Lernen, abweichen und sich entfernen.

Zunächst ist alles behalten, was der Lehrer lehrt. Dazu gehört insbesondere die korrekte Technik. Erst wenn diese vollständig gelungen ist, ist es möglich, allmählich zu versuchen, darüber hinauszugehen, um Möglichkeiten zu finden, sich selbst zu entwickeln, um sich schliesslich von seinen früheren Erfahrungen zu entfernen. Dies ist der Fortschritt im Karateleben und zugleich seine Philosophie.

Der erste Schritt (shu) dauert viele Jahre. Wenn er nicht bis zum Ende korrekt ausgeführt wird, besteht keine solide Basis auf die der zweite Schritt (ha) aufbauen kann. Es ist notwendig, häufig etwas zurückzugehen, um aus der Distanz zu sehen, welche Richtung eingeschlagen wurde. Dies ist besonders beim dritten Schritt (ri) notwendig.

Wie das Leben ist auch Karate ein Weg, der vom Lernen zur Reife, von der Unerfahrenheit zur Erfahrung, von der Jugend zum Alter führt.

Karatedo ist für alle geeignet, für Frauen und Männer jeden Alters. Das war eines der Hauptanliegen der Begründer. Die alten Meister legten grössten Wert auf die Erkenntnis, dass Karatedo ein Weg ist, den Körper und Geist lebenslang zu schulen.